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Dr. Werner Keilholz
Dr. Werner Keilholz, geboren 1966 in Bamberg, studierte von 1987 bis 1992 Informatik mit Schwerpunkt Technik an der FH Nürnberg. Später promovierte er an einem Forschungszentrum in Frankreich und heute leitet er dort eine Abteilung für Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Sein beruflicher Werdegang wurde bereits während des Studiums angestoßen.
Beschreiben Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang
Im Rahmen des Studienganges Informatik an der Fachhochschule Nürnberg absolvierte ich das zweite praktische Studiensemester am Lawrence Berkeley Laboratory in Berkeley (USA). In diesem für Informatiker sagenumwobenen Umfeld begann ich, mich für Gebäudesimulation zu interessieren. Ein Partner-Labor, das technisch-wissenschaftliche Zentrum für Gebäudephysik Frankreichs (CSTB), lud mich daraufhin ein, meine Arbeiten zunächst im Rahmen der FH-Diplomarbeit, später im Rahmen einer Doktorarbeit fortzuführen. Zusätzlich zu dem interessanten Aufgabengebiet - die Erstellung technisch-wissenschaftlicher Computerprogramme - machte es auch der Firmenstandort in Südfrankreich außerordentlich schwierig, das darauf folgende Stellenangebot auszuschlagen - man gewöhnt sich schnell an diese Region.
Meine anfängliche Tätigkeit als Software-Entwickler am CSTB bestand zunächst hauptsächlich darin, meine eigene Forschungsarbeit zur Marktreife weiterzuentwickeln. Die daraus hervorgegangene Simulationsumgebung ist noch heute eines unserer führenden Software-Produkte. Als Projektleiter war ich dann für die Entwicklung weiterer Anwendungen sowie für die Themengebiete "Test" und "Zertifizierung" von Fremdsoftware verantwortlich.
Als Anfang 2000 die Abteilung "Anwendungen und Softwareentwicklung" im Zuge einer Umstrukturierung neu gegründet wurde, übernahm ich als logische Fortsetzung meiner bisherigen Aktivitäten deren Leitung. In dieser Funktion koordiniere ich seitdem nationale und internationale Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie die Entwicklung innovativer, kommerzieller Software-Produkte. Meine Aufgaben schließen auch die Markteinführung neuer Produkte und das Marketing für den Bereich "Software" ein. Unsere jüngsten Aktivitäten zielen auf eine Entwicklung von "Internet-basierten Online Diensten", insbesondere für die Bereiche "Simulation" und die "mobile Datenerfassung und Auswertung".
Was haben Sie in Ihrem Studium besonders geschätzt?
Der entscheidende Vorteil der Fachhochschule liegt für mich im Praxisbezug. Praxissemester, Auslandssemester, Seminararbeiten im Kontakt mit erfahrenen Fachkräften sind effiziente Lehrmethoden, die gleichzeitig Abwechslung schaffen, den Lernstress vermindern und sogar Spaß machen können. Von Ihrem Fachgebiet begeisterte Professoren, die selbst lange Jahre in der Praxis tätig waren, können zukünftige Informatiker zweifelsohne besser auf Ihre berufliche Zukunft vorbereiten als Universitätsprofessoren, die nur über theoretisches Wissen bezüglich der Berufswelt außerhalb der Universität verfügen.
Haben Sie Anregungen für FH-Professoren, worauf sie bei der Ausbildung von Studierenden besonders achten sollten?
Ein Professor sollte in erster Linie versuchen, den Studenten seine eigene Begeisterung für sein Fachgebiet zu vermitteln. Die FH sollte sich ihrerseits um Professoren bemühen, die von ihrem Fach begeistert sind, und die pädagogischen Fähigkeiten besitzen, diese Begeisterung weiterzugeben.
Als Pädagogen sollten Professoren auch die Talente ihrer Studenten erkennen und fördern, sie etwa auf besonders geeignete Praktika hinweisen oder Kontakte herstellen. Eine einfache Ermutigung zum richtigen Zeitpunkt - wie in meinem Fall - kann im Extremfall die gesamte Laufbahn eines Studenten vorteilhaft beeinflussen.
Warum haben Sie Informatik an der FH Nürnberg studiert?
Nürnberg bietet sowohl als Industriestandort (zahlreiche Firmen mit interessantem Potential) als auch als Stadt interessante Vorteile (kulturelles Umfeld, Freizeitwert der Stadt, ...). Die Nähe zur Universität Erlangen bietet logistische Vorteile (etwa Benutzung von gemeinsamen Einrichtungen wie der Bibliothek oder des Rechenzentrums) und erlaubt es bei Interesse auch, gelegentlich einmal an Veranstaltungen der Kollegen von der Uni teilzunehmen (Vorträge, Vorlesungen, Seminare, ...).
Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt ist die ausgezeichnete Ausstattung der FH Nürnberg (Rechner, Räume, Labors, Netzwerk, ...).
Worin sehen Sie das Besondere bei einem Fachhochschulstudium?
Neben dem schon erwähnten Praxisbezug war für mich die im Vergleich zur Universität kürzere Studienzeit ein wichtiges Entscheidungskriterium. Das Studium ist nicht nur im Durchschnitt deutlich kürzer, sondern auch überschaubarer.
Wie schätzen Sie die Aufstiegschancen für Informatikabsolventen der Fachhochschule ein?
Es gibt sicher immer noch Bereiche, die nur schwer ohne das "richtige" Diplom zugänglich sind. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist das Diplom jedoch nicht mehr als eine Eintrittskarte in das Berufsleben. Wenn der Film erst einmal angefangen hat, fragt keiner mehr danach.
Das FH-Diplom erlaubt es dabei zweifelsohne, auf einem guten Platz zu starten. Dies gilt, wie ich selbst überprüfen konnte, auch für das Ausland, selbst wenn die offiziellen gegenseitigen Anerkennungen der Diplome nicht immer gewährleistet sind. In diesem Sinne ist der Master-Titel ist aus meiner Sicht eindeutig eine positive Entwicklung. Die Bezeichnung "Master" ist europaweit bekannt (und wohl auch mehr oder weniger anerkannt), während man als "Diplom-Informatiker (FH)" schon mal einige Zeit mit Erklärungen verbringen muss.
Weiterhin ist das FH-Diplom keine Endstation: Der FH-Absolvent besitzt die nötigen Kenntnisse, um weiterführende Diplome mit vernünftigem Studienaufwand zu erlangen.
In meinem Fall erschien mir die Idee, nach dem FH-Studium eine Doktorarbeit zu absolvieren, eher utopisch. In Frankreich war der 'Umstieg' durch ein zusätzliches Diplom möglich, welches ich mit meinen FH-Kenntnissen ohne große Mühe absolvieren konnte.
So gesehen sind die Aufstiegschancen nur durch die eigene Ambition begrenzt ...
Was sind nach Ihrer Erfahrung die persönlich entscheidenden Faktoren für Ihren jetzigen beruflichen Erfolg?
Der Ausgangspunkt für den beruflichen Erfolg ist für mich zunächst der Spaß am Beruf, weil es sich dabei um die beste Quelle für Motivation handelt. Ich kenne keinen wirklich erfolgreichen Menschen, der ausschließlich durch sein Gehalt oder potentielles zukünftiges Gehalt motiviert wäre.
Weiterhin ist es hilfreich, so wenige Komplexe wie möglich zu haben. Die Fähigkeiten der meisten Menschen - und damit ihr potentieller beruflicher Erfolg - sind viel stärker durch die eigene Einbildungskraft beschränkt als durch reell bestehende intellektuelle oder sonstige Begrenzungen. Dieses Phänomen wird durch eine negative Umgebung verstärkt: lassen Sie sich nicht einreden, dass irgend ein Ziel für Sie nicht erreichbar wäre!
Als letzte Zutat ist natürlich das sprichwörtliche Quäntchen Glück zu nennen - etwa zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber diese Art von "Glück" verdient man sich zum größten Teil selbst - durch Ausdauer.
Was sollten Absolventen zusätzlich zum erworbenen Wissen noch mitbringen?
Die wichtigste Eigenschaft ist wohl die Selbstmotivation. Ein gewisses Maß an Flexibilität hilft, Übergangsphasen zu überbrücken und in einen Vorteil umzuwandeln. Ansonsten ist das "erworbene Wissen" ein sehr schnelllebiges Gut, welches regelmäßig erneuert werden muss. Der Willen, ständig weiterzulernen, ist daher unerlässlich.
Welche Tipps können Sie FH-Absolventen für ihr Studium geben?
Zerstören Sie nicht Ihre Karriere durch einen Karriere-Plan: Es ist ohne Zweifel positiv, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Dies sollte Sie jedoch nicht davon abhalten, Gelegenheiten zu ergreifen. Mich hat z.B. ein Auslandspraktikum um 6 Monate in meinem ursprünglichen Studienplan "zurückgeworfen". Gleichzeitig hat es aber dann die entscheidenden Türen geöffnet.
Fördern Sie die Fächer und Aktivitäten, die Spaß machen: dort liegen Ihre Talente, und schwierige Aufgaben werden zur stimulierenden Herausforderung.
Und welche Tipps können Sie FH-Absolventen für ihre Berufslaufbahn geben?
Folgen Sie Ihrer Intuition. Träumen Sie: Träume haben die Tendenz, Realität zu werden. Ersetzen Sie in Ihren Überlegungen Worte wie "unerreichbar" und "unmöglich" durch "schwierig" und "unwahrscheinlich". Und wenn Ihnen Ihre Intuition sagt, dass es sich lohnt, wählen Sie die Schwierigkeit.
Nutzen Sie die Erfahrung Ihrer Kollegen im Rentenalter: ihre Methoden mögen veraltet sein, die Effizienz reduziert, die Motivation abgeflaut. Aber diese Mitarbeiter wissen alles, was Sie über das Unternehmen im Speziellen und das Berufsleben im Allgemeinen noch zu lernen haben!
Als Berufseinsteiger sollte man versuchen, möglichst viele Erfahrungen in unterschiedlichen Umfeldern zu sammeln - verschiedene Firmen, Länder, Kulturen, etc., ermöglichen es nicht nur, Kompetenzen zu bereichern, den eigenen Horizont zu erweitern. Man erhöht dadurch auch seine Chancen, den persönlichen Traumberuf in einem idealen Arbeitsumfeld kennen zu lernen. Ich bin überzeugt, dass der für jedermann existiert!
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